„Frauen gehört die Nacht“ – Spaziergänge für Sicherheit, Sichtbarkeit und

„Frauen gehört die Nacht“ – Spaziergänge für Sicherheit, Sichtbarkeit und

Selbstbestimmung

Der Arbeitskreis Frauenpolitik der Mannheimer Grünen war gemeinsam mit Frauen aus den

jeweiligen Stadtteilen am Freitag, 10. Oktober, und am Freitag, 24. Oktober, bei

Nachtspaziergängen in verschiedenen Mannheimer Quartieren unterwegs.

Ziel der Aktion war es, Frauen sichtbar zu machen, Angsträume aufzuzeigen – und die Stadt

so zu gestalten, dass sich alle sicher fühlen können.

„Wir wollten nicht über Sicherheit nur reden, sondern sie begehbar machen“, erklärt Verena

Fuchslocher, Sprecherin des AK Frauen. „Deshalb haben wir auch die

Gleichstellungsbeauftragte Zahra Deilami eingeladen. Unsere Spaziergänge haben gezeigt,

wo es in Mannheim-Rheinau und im Jungbusch im Argen liegt – und sie haben deutlich

gemacht, dass Frauen und queere Menschen die Stadt anders erleben als Männer.“

Ein zentraler Punkt der ersten Tour war die Dalbergunterführung, die durch ihre dunklen

Treppenabgänge und die Trennung der Wege als besonders unangenehm empfunden wird.

Deckenspiegel an den Ecken oder eine bessere Beleuchtung wären einfache, aber

wirkungsvolle Maßnahmen. Zudem sind die Zugänge bislang nicht barrierefrei.

Auf der Rheinau machten die Teilnehmerinnen auf den Bereich rund um die Endhaltestelle

und die dortige Unterführung aufmerksam – ein klassischer Angstraum, wie viele Frauen

berichteten.

„Unsere Sicherheit hängt nicht nur von Polizeipräsenz oder Kameras ab, sondern vor allem

vom Umgang miteinander“, sagt Eva Luebke, ebenfalls Sprecherin des AK Frauen.

„Respektloses oder machohaftes Verhalten, Catcalling, aggressive Männergruppen – das

Bündnis 90/Die Grünen Mannheim www.gruene-mannheim.desind die eigentlichen Ursachen für Angst im öffentlichen Raum. Frauen mit

Migrationshintergrund und junge Mädchen sind dabei besonders betroffen. Das belegen

auch die Sicherheitsbefragungen der Stadt Mannheim.“

Die Ergebnisse des Mannheimer Sicherheitsaudits 2022/2023 zeigen: Junge Frauen mit und

ohne Migrationshintergrund zwischen 14 und 19 Jahren fühlen sich besonders unsicher. Das

deckt sich mit Forschungsergebnissen des Heidelberger Kriminologen Dieter Hermann, der

betont, dass „nicht das Stadtbild, sondern respektloses Verhalten und toxische

Männlichkeitsmuster“ maßgeblich zur Kriminalitätsfurcht beitragen.

Alice van Scoter, Stadträtin der Grünen, unterstreicht:

„Frauenpolitik darf kein Randthema sein. Gerade Projekte, die Mädchen und Frauen stärken,

werden bei Sparmaßnahmen oft als erstes gestrichen – dabei sind sie entscheidend.

Mädchenarbeit, Jugendarbeit, Multiplikatorinnen-Projekte: Sie alle helfen, Rollenbilder zu

verändern und Frauen, die neu in Deutschland sind, alleinerziehend oder ohne familiäres

Netzwerk leben, zu empowern. Das ist echte Sicherheitspolitik.“

Mit der Reihe „Frauen gehört die Nacht“ hat der AK Frauenpolitik der GRÜNEN Mannheim

nicht nur Orte, sondern auch Perspektiven beleuchtet – und gezeigt, dass feministische

Stadtplanung mehr ist als gute Beleuchtung.

„Unsere Spaziergänge waren ein Anfang“, sagt Fuchslocher. „Wir werden weiter laut bleiben,

wenn es um die Sichtbarkeit und Sicherheit von Frauen geht – egal, ob am Tag oder in der

Nacht.“

Dr. Angela Wendt, Altstadträtin, ergänzt:

„Deswegen ist es auch wichtig, dass Frauen weiterhin die Möglichkeit haben, zu später

Stunde das Frauennachttaxi zu nutzen.“